Übergang von der Realität in die Traumwelt von Michael Berg

Die Realität geht in zwei Textpassagen in Michaels Traum- bzw. Gedankenwelt über. Die erste Textstelle ist zu Beginn des Buches, im zweiten Kapitel des ersten Teils. In diesem Kapitel beschreibt Michael das Haus, in dem Hanna wohnt. Die Beschreibung beginnt mit der Tatsache, dass das Haus heute nicht mehr steht. Michael beschreibt das Haus, das jetzt stattdessen dort gebaut wurde. Dann vergleicht er es mit dem Haus, das zur Zeit seiner Kindheit und Jugend dort stand. Das alles findet in der Realität statt. Doch dann erwähnt Michael, dass er das Haus schon viel früher wahrgenommen hatte, als er Hanna noch gar nicht kannte. „Schon als kleiner Junge hatte ich das Haus wahrgenommen.“ (S.9)

Diese Beschreibung vermischt sich dann aber mit Michaels Gedankenwelt, denn er stellt sich das Innere des Hauses und seine Bewohner vor, welche er nie zu Gesicht bekam. Dann geht die Beschreibung komplett in die Traumwelt über, als Michael schreibt: „Immer wieder habe ich in späteren Jahren von dem Haus geträumt.“ (S.9) Von diesen Träumen gibt es mehrere, in allen kommt das Haus vor, jedoch immer in anderen Umgebungen. Einmal geht Michael „durch eine fremde Stadt“ (S.9). Dort sieht er das Haus und ihm fällt ein, dass er das Haus schon einmal gesehen hat. Doch er meint nicht seine Heimatstadt, sondern eine andere fremde Stadt. Doch „das Haus in der anderen Umgebung wiederzusehen“(S.9-10) kommt ihm „nicht sonderbarer vor als das zufällige Wiedersehen mit einem alten Freund in fremder Umgebung.“ (S.10)

Diese Träume enden mit dem Drücken der Türklinke des Hauses. In einem anderen Traum steht das Haus auf dem Land. Dieser Traum dauert länger oder Michael erinnert sich danach besser an seine Details (vergleiche S.10). Das Haus „ist von Feldern umgeben, Raps, Korn oder Wein in der Pfalz, Lavendel in der Provence. Die Gegend ist flach, allenfalls leicht hügelig. Es gibt keine Bäume.“ (S.10) Das Wetter ist gut. Das Haus sieht unpassend aus, da es Brandmauern hat und da es „offensichtlich in einen städtischen Straßenzug gehört“ (S.10), jedoch „auf freiem Feld steht“ (S.10). Auch diese Träume enden mit dem Drücken der Klinke.

Diese Träume von Hannas Haus sollen verdeutlichen, wie wichtig sie Michael war. Das Symbol „Haus“ in Träumen steht eigentlich für die eigene Seele. Die Tatsache, dass Michael nicht von seinem eigenen Haus / Zuhause träumt, könnte dafür stehen, dass Hanna Michael zu der Zeit dieser Träume wichtiger war als seine eigene Familie. Vielleicht war sie ihm sogar wichtiger als er selbst, da er im Streit immer alle Schuld auf sich nimmt, wenn sie droht, ihn zurückzuweisen. (vergleiche S.50) Deshalb gilt Hannas Haus, welches auch Ort ihrer täglichen Treffen war, für Michael als zweites Zuhause.

Die zweite Textstelle in denen die Realität in die Traum- und Gedankenwelt Michaels übergeht ist im zweiten Teil im dreizehnten Kapitel. Hier beschreibt Michael erst, wie er sich Hanna als Aufseherin vorstellt. Er sieht sie „bei der brennenden Kirche, mit hartem Gesicht, schwarzer Uniform und Reitpeitsche.“(S.140) Auch sieht er Hanna in seinen Gedanken, „wie sie sich vorlesen lässt. Sie hört aufmerksam zu, stellt keine Fragen und macht keine Bemerkungen.“ (S.140) Auch weitere Bilder in Michaels Vorstellung zeigen Hanna als harte, kalte Aufseherin. Danach erinnert er sich an seine gemeinsame Zeit mit Hanna zurück. Dies sind lauter schöne Bilder, in denen auch er zu sehen ist. „Hanna, die mir zuhört, die zu mir redet, die mich anlacht, die mich liebt.“ (S.141). Dann vermischen sich die Bilder in Michaels Kopf. Er sieht Hanna, die ihn mit kaltem Gesicht liebt, und ihm wortlos beim Vorlesen zuhört. Michael hatte auch Träume , in denen ihn „die harte, herrische, grausame Hanna sexuell erregte.“ (S.142) Für diese Träume schämte er sich. Obwohl die phantasierten Bilder armselige Klischees waren, waren sie von großer Kraft. (vergleiche S.142)

Diese Bilder verdeutlichen das innere Durcheinander in Michael. Er hat unerwartet neue Seiten von Hanna kennen gelernt, die nicht zu der Hanna passten, die er kannte. Er ist verunsichert, ob es unrecht ist, eine Täterin aus dem Nationalsozialismus zu lieben.

An beiden Stellen sieht man deutlich, wie Michael die Realität und seine Träume durcheinander bringt.

 

Ein Kommentar zu “Übergang von der Realität in die Traumwelt von Michael Berg

  1. Werner George Klawun Kendray

    Ein Buch, dass man all dieses Antifa-Extremisten als Pflichtlektüre verordnen sollte, aber diese Krawallbrüder sind sowie so fast literarische Analphabeten, auch wenn sie irgendwie Lesen und schreiben gelernt haben sollten.

    W.George K.Kendray

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